Nostalgie-Tänze

Bauerntanz (15. Jahrhundert)

Alte Gesellschaftstänze (um 1900)

Polka

Der Legende nach wurde die Polka von einem böhmisch-tschechischen Bauernmädchen um 1835 "erfunden". Zweifellos ist der Name Polka tschechisch. Von Böhmen hat sich die Polka über Prag nach Wien und 1840 von Wien nach Paris verbreitet.
Aber der Schritt der Polka ist alt. Der Polka-Chasséschritt findet sich schon im Ecossaisewalzer, also dem Chasséschritt, mit dem die Ecossaise getanzt wurde. in Deutschland nannte man daher die Polka auch schottisch. Aber auch schottisch ist dieser Tanz nicht. In Deutschland gab es diese Tanzart schon lange Zeit als Hopser, und einen solchen Hopser findet man schon in Bachs Bauernkantate. Man kann also sagen, die Polka ist ein alter mitteleuropäischer Bauerntanz.


Kreuzpolka

Die Kreuzpolka beginnt wie die normale Polka mit einem Chasséschritt. Dann überkreuzt der eine Fuß den anderen mit zweimaligem auftippen. Nach einer Wiederholung zur anderen Seite werden anschließend 4 Polkadrehungen getanzt.

Hacke - Spitze - Polka

Eine weitere Unterform der Polka, die sich nur durch die Schrittfolge unterscheidet.

Polka - Mazurka

Die Mazurka, aus Masuren im Norden Polens stammend, ist schlichtweg der polnische Nationaltanz. Chopin hat ihn weltberühmt gemacht.
In den westeuropäischen Ballsälen ist allerdings meist nur die Polka-Mazurka, ein reiner Paartanz getanzt worden. Von Haus aus war die Mazurka jedoch ein Gruppentanz, der sich dann in Einzelpaare auflöste. Sie gelangte vom polnisch-sächsischen Hof in Dresden nach dem Westen.


Rheinländer

Aus der Polka hat sich der Rheinländer entwickelt, auch Bayerische Polka genannt. Er hat ebenfalls einen deutschen Vorläufer, die Hopsanglaise um 1800, die wiederum nicht anderes als der alte Hopser ist.

Tänze der Inflationszeit (um 1925)

Der Kampf zwischen den europäisch-bürgerlichen Tänzen und den modern-exotischen Tanzformen der Jugend begann kurz nach 1900. Die junge Generation lehnte Walzer, Polka, Mazurka, Quadrillen und Francaisen ab. Der Walzer war Routine geworden, die Quadrillen waren zum seichten Gesellschaftsspiel entartet.
Der Gesellschaftstanz erneuerte sich, er sollte wieder Leben werden, Ausdruck der Seele, Rückkehr zur Natur. Nichts anderes bedeutete die Rückkehr zur natürlichen, von innen erlebten Vorwärtsbewegung. Man fand diese natürliche und leidenschaftliche Bewegung in den Tänzen einer uralten, aber jung gebliebenen Rasse, den Schwarzen Amerikas.
Der moderne Gesellschaftstanz wird gegangen. Er kennt grundsätzlich und vor allem zu Beginn nur die natürliche Vorwärtsbewegung. Damit unterscheidet er sich vom bürgerlichen Tanz, dessen Hauptbewegung die Drehung war.
Scharf trennt sich der neue Gesellschaftstanz vom Ballett. Während des 19. Jahrhunderts hatten die Tanzlehrer immer wieder versucht, den Gesellschaftstanz in die Fesseln des Balletts zu zwängen.


"Foxtrott" (alt)

Aus Amerika gelangte nach 1900 die natürliche Vorwärtsbewegung im Gesellschaftstanz herüber. Schon seit den 1870er Jahren scheint man dort den eigentlichen Drehtanz Europas, den Walzer, vorwärts getanzt zu haben. Auch die Polka wurde in Amerika vereinfacht. Man tanzte sie in alle Richtungen, hauptsächlich aber vorwärts. Benutzt wurden nur noch einfache Chassé-Schritte. Das aber ist der TwoStep, der mit dem Boston in Europa Einzug hielt und bis etwa 1912 getanzt wurde.
Um 1910 schließlich kam der Onestep, ein ganz einfacher Marsch- und Gehtanz ohne Chassé, unser Schieber also.
Aus dem Onestep entwickelte sich dann der Foxtrott. Die Kapellen kehrten aus dem reißenden Tempo des Onestep, dem Ragtime, zu einem langsameren Tempo zurück. Auch die Schritte wurden langsamer und so gewann man Zeit, wieder den Schrittwechsel, das Chassé, einzuführen. Im wesentlichen bestand der Foxtrott jedoch aus einem beliebigen Wechsel von langsamen und schnellen Schritten, wie unser Slow-Foxtrott noch heute. Der Quickstep (der in Deutschland Foxtrott genannte Tanz) hat sich erst 1924 aus dem ursprünglichen Foxtrott entwickelt.


"Tango" (alt)

Boston und Foxtrott sind reine Bewegung. Anders der Tango. Er war, wie alle afrikanischen Tänze, in seiner ganz ursprünglichen Form ein pantomimischer Liebestanz. Habanera und Milonga, die Vorläufer des Tango Argentino, haben diese Züge noch. In Buenos Aires aber verlor der Tango diese Elemente und wurde nun auch in enger Umschlingung, in der europäischen Paartanzhaltung getanzt. Damit ist die erotische Pantomimik unmöglich, die den Abstand der Partner voneinander fordert. Noch immer aber behält der Pariser Tango um 1913 die Bewegung am Platz bei. Die Engländer erst entwickeln daraus einen Bewegungstanz, einen "travelling dance".

Charleston

1925 erreichte der Charleston Europa. 1926 war alle Welt charlestonverrückt, 1927 war der Höhepunkt schon überschritten. Als Schautanz blieb der Charleston aber weiterhin beliebt und viele Tanzschule unterrichteten ihn weiter. Daher ist der Charleston bekannter als der Shimmy und der Black Bottom. Um 1926 aber war der Charleston eine ernste Gefahr für die Entwicklung des englischen Stils. Er verzögerte die Fixierung des Quickstep beträchtlich. Doch die Engländer nahmen auch diesen Tanz auf und formten ihn. Aus einem ursprüglich reinen Platztanz machten sie einem flachen progressiven Tanz, aus dem wilden Charleston den flat, progressiv Charleston.